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Wiederladen für Jäger: Lohnt sich selbstgeladene Munition?

Werkspatronen sind praktisch, verfügbar und für die meisten jagdlichen Anwendungen völlig ausreichend. Dennoch beschäftigen sich viele erfahrene Jäger irgendwann mit dem Thema Wiederladen, also der Eigenherstellung von Patronen aus gebrauchten oder neuen Komponenten. Die Gründe sind vielfältig: Verbesserung der Präzision, Kontrolle über die Leistung, Abstimmung auf ein bestimmtes Gewehr, langfristig auch wirtschaftliche. Ob sich der Aufwand tatsächlich lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab.
Grundlagen: Was ist Wiederladen?
Beim Wiederladen werden abgefeuerte Hülsen gereinigt, neu geformt, mit Zündhütchen bestückt, mit Pulver befüllt und schließlich mit einem Geschoss crimped. Dazu wird eine Ladeausrüstung benötigt, die aus Lade- oder Progressivpresse, Matrizen, Waage und Zündhütchensetzer besteht. Entscheidende Faktoren für reproduzierbare Ergebnisse sind die Wahl des Pulvers und die Einhaltung der angegebenen Lademengen. Vihtavuori-Nutzern stehen in den Vihtavouri Ladedaten Füllmengen, Lauflängen und erreichbare Geschwindigkeiten so präzise angegeben, daß sich daraus eine brauchbare Grundlage für die eigene Ladungsentwicklung ableiten läßt. Anfängern empfehle ich, mit dem sogenannten Single-Stage-Verfahren zu arbeiten, bei dem jeder Schritt einzeln durchgeführt wird. Das erhöht die Kontrolle und vermeidet Fehlerquellen.
Vor- und Nachteile gegenüber Werkspatronen
Der größte Vorteil selbst geladener Munition ist die Anpassbarkeit. Die Gewehre reagieren durchaus verschieden auf unterschiedliche Ladekombinationen. Mit dem Wiederladen läßt sich eine Patrone entwickeln, die genau auf den eigenen Lauf, das jeweilige Zielwild und Schußentfernung abgestimmt ist. Auf dem Schießstand zeigt sich das sehr oft in deutlich engeren Treffpunktlagen. Werkspatronen dagegen haben den Vorteil der Zuverlässigkeit, ohne Mühe und Aufwand. Namhafte Hersteller wie Norma, RWS oder Federal liefern gleichmäßige Qualität, die sich übrigens in Deutschland sehr gut beziehen läßt. Für den Hobbyjäger, der vielleicht einmal zwei- oder dreimal im Jahr zur Jagd geht, wird sich der Einstieg ins Wiederladen jedoch kaum rechnen lassen, schon gar nicht wegen der Anschaffungskosten für die Ausrüstung, die schnell mehrere hundert Euro betragen können.
Dazu kommt der Zeitaufwand: Das Laden von 50 Patronen kostet je nach Kenntnis und Ausrüstung 60 bis 120 Min. Wer dagegen regelmäßig auf dem Stand schießt und größere Mengen braucht, wird die Investition über die Zeit amortisieren können.
Rechtliches in Deutschland
Wiederladen ist in Deutschland erlaubt, unterliegt jedoch gewissen gesetzlichen Bestimmungen. Maßgebend ist das Waffengesetz (WaffG) mit der dazu erlassenen Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV). Wer Munition selbst herstellen will, bedarf für die Eigenherstellung keiner besonderen Erlaubnis. Die Abgabe oder der Verkauf selbst geladener Munition ist jedoch ohne besondere Erlaubnis verboten. Pulver und Zündhütchen sind nach dem Sprengstoffgesetz Explosivstoffe. Ihr Erwerb ist für Inhaber eines Waffenscheins oder einer Waffenbesitzkarte bei zugelassenen Händlern möglich. Die Lagermengen sind durch Gesetz geregelt: Es dürfen in der Regel nicht mehr als 1 kg Schwarzpulver sowie 3 kg Nitrozellulosepulver privat gelagert werden.
Die Wahl des Pulvers ist entscheidend
Die Wahl des Pulvers beeinflußt Geschwindigkeit, Druck, Rückstoß und Präzision. Für jagdliche Zwecke wählt man in der Regel Pulver mit mittlerer bis langsamer Brenngeschwindigkeit, je nach Kaliber und Geschossgewicht. Zu den besten Pulverherstellern gehört Vihtavuori, deren Pulver durch enge Fertigungstoleranzen und konstante Charge-zu-Charge-Qualität bestechen. Einsteiger sollten mit einer bewährten Ladung aus einem validierten Ladedatenbuch beginnen und sich dann allmählich an die optimale Füllung herantasten, wobei sie mindestens 10 Prozent unter dem angegebenen Maximalwert starten sollen, um zu hohe Druckspitzen zu vermeiden.
Selbst geladene Munition gibt dem erfahrenen Jäger mehr Kontrolle als jede Werkspatronen, jedoch erfordert der Einstieg Geduld, Sorgfalt und Einarbeitung. Wer einmal die Grundlagen begriffen hat, wird die Möglichkeiten eines selbstgeladenen Munitionssortiments zu schätzen wissen.
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