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Betriebsarten Waldformen und Waldfunktionen vom Waldbau - Jägerprüfung Fragenkatalog

20/04/2019
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Betriebsarten Waldformen und Waldfunktionen vom Waldbau - Jägerprüfung Fragenkatalog

Betriebsarten Waldformen und Waldfunktionen vom Waldbau - Jägerprüfung Fragenkatalog
• Wie viele Bodenfläche ist in der Bundesrepublik Deutschland mit Wald bestockt?
Der Anteil beträgt rd. 30% (ca. 10,7 Mio. Hektar). Auf jeden Einwohner entfallen somit knapp 0,13 Hektar Wald. 66% sind Nadel-, 34% Laubholz. Die Besitzverteilung ist in Deutschland wie folgt: 46% Privatwald, 34% Staatswald und 20% Körperschaftswald.

• Welche Betriebsarten gibt es in Deutschland?
Außer dem Hochwaldbetrieb, bei dem Bestände oder Einzelbäume aus Sarnen und Früchten hervorgehen (Kernwuchs), gab es im Mittelalter bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch den Nieder- und Mittelwaldbetrieb.

Im Niederwaldbetrieb wurde die flächenhafte Nutzung junger Laubbäume planmäßig durch „auf den Stock setzen“ vollzogen.

In Umtrieben von ca. 15 bis 40 Jahren wurden ausschlagfähige Laubbaumarten kleinflächig geschlagen. Der Wald wurde in eine der Umtriebszeit entsprechende Zahl von Schlägen eingeteilt - beispielsweise 20 Schläge ä 1 Hektar-, von denen jährlich ein Hektar genutzt wurde. Damit wurde bereits im 12. Jh. das Prinzip der Nachhaltigkeit praktiziert.

Dabei machte man sich die Fähigkeit vieler Laubbaumarten zunutze, sich vegetativ über Stockausschläge zu vermehren; dies sind v.a. Stiel- und Trauben-Eiche, Hainbuche, Hänge- Birke, Hasel und Linden, aber auch seltenere Baumarten wie Feld-Ahorn, Elsbeere und Mehlbeere.

Unter einem Mittelwald versteht man die kombinierte Nutzung von Laub-Schwachholz aus Stockausschlägen und Starkholz aus Kernwüchsen. Dabei wurde auf bestimmten Flächen in kurzfristigem Wechsel (ca. 10 bis 30 Jahre) schwaches Gerten- und Stangenholz, sog. „Unterhölzer“ wie im Niederwald (s.o.) genutzt, d.h. auf den Stock gesetzt.

Dabei wurden auch einzelne nutzbare Starkhölzer, die „Oberhölzer“ gehauen. Schwächere Kernwüchse wurden vom Einschlag verschont und konnten als sog. „Lassreiser“ durchwachsen. Beide heute unbedeutende Betriebsarten dienten früher u.a. der Gewinnung von Brennholz, Holzkohle (Kohlenmeiler), Zaun- und Weinbergspfählen, Bindematerial und von Eichenrinde als Mittel zur Gerbung des Leders (Eichenschälwald). Das Eichenstarkholz aus dem Mittelwald wurde als Bauholz, v.a. für Fachwerke genutzt, die Bäume gaben eine hervorragende Mast für Schweine, die in den Wald getrieben wurden.

Das Ende für beide Betriebsarten kam Anfang dieses Jahrhunderts durch den zunehmenden Ersatz mit fossilen Brennstoffen, imprägniertem Fichtenholz als Bau- und Zaunholz und von synthetischen Gerbstoffen.

• Was war die ursprüngliche Funktion des Waldes für den Menschen?
Ursprünglich hatte der Wald eine Nutzfunktion. Seit je her ist der Forst Rohstofflieferant. Er liefert auch heute noch über 40% des in Deutschland benötigten Holzes. Für den Waldbesitzer sichert er oft die wirtschaftliche Existenz. Die Forstwirtschaft gibt nicht nur Waldarbeitern und Forstleuten Arbeit. Etwa 650.000 Beschäftigte waren 1998 in der deutschen Holzwirtschaft und Papierindustrie beschäftigt. Sie erarbeiten einen Jahresumsatz von 173 Milliarden DM. Neben dem Holz liefert der Wald Heilpflanzen, Pilze, Beeren sowie Schmuckreisig, die sogenannten Nebennutzungen.

Heute sind die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion gleichrangig in Bundeswaldgesetz und in den Landeswaldgesetzen verankert. Je nach Ansprüchen an den Wald können einzelne der genannten Funktionen Vorrang haben.

• Worin zeigt sich die Schutzfunktion?
Wald gleicht klimatische Extreme aus. Er bremst den Wind und lässt Temperaturen nicht so schnell fällen. Er reinigt die Luft, sammelt Oberflächenwasser und gibt es lang andauernd an Untergrund, Seen und Flüsse ab. Er verhindert Bodenerosionen und Bodenverwehungen. Er schützt vor Lärm, unterbindet das Entstehen von Lawinen und bremst kleinere Lawinen. Wald schützt vor Schneeverwehungen, Steinschlag und Seitenwind.

Außerdem ist er in der Lage, Immissionen teilweise auszufiltern, was der Luftqualität zu Gute kommt, allerdings den Waldboden mit Schadstoffen zusätzlich belastet.

• Warum hat der Wald einen hohen Stellenwert in der Erholungsfunktion?
Die ausgeglichene Temperatur, die vergleichsweise hohe Luftfeuchtigkeit, die Sauberkeit der Luft und die Stille fördern die Gesundheit. Die gestressten Menschen können Ab-lenkung und Erholung im Naturerlebnis, beim Pilze- oder Beerensammeln oder beim Beobachten von Tieren finden.

In den letzten Jahrzehnten werden die Waldwege zunehmend zum Joggen, Reiten, Skilanglauf und Mountain-Biking genutzt, woraus sich häufig Konflikte ergeben. Vor allem in der Nähe von Ballungszentren sollte diesen Konflikten durch ein umfassendes Konzept der Besucherlenkung vorgebeugt werden. Wichtig ist, dass an dieser Stelle die Jäger mit den zuständigen Forst- und Naturschutzbehörden gemeinsam vorgehen. Erfolge solcher Konzepte zeigen sich z.B. im Schönbuch, dem Naherholungsgebiet vor den Toren von Stuttgart, wo trotz eines Ansturms von teilweise über 10.000 Besuchern täglich Wild - auch Rotwild - am Tage zu beobachten ist.

• Was meint man mit der Behauptung, der Wald sei Lebens- und Strukturraum?
Der Wald beherbergt als Ökosystem viele Pflanzen sowie Tiere. Im Wald leben die verschiedensten Tier- und Pflanzenarten in einer Symbiose zu gegenseitigem Nutzen zusammen oder schmarotzen auf Kosten eines anderen. Die Konsumenten nehmen vom Überfluss, und die Zersetzer verwandeln abgestorbenes Holz und Laub wieder in Kohlendioxyd und Mineralstoffe.
Der Wald strukturiert die Landschaft, macht sie abwechslungsreich, bestimmt den Charakter ganzer Gebiete, z.B. der Mittelgebirge. Durch Rekultivierung von Kiesgruben und Müllhalden mit Wald lassen sich Wunden in der Landschaft schließen.

• Was unterscheidet einen Urwald vom Forst?
Urwälder sind Wälder, die durch den Menschen völlig unbeeinflusst sind. Solche Wälder findet man in Deutschland praktisch nicht mehr. Erst nach mehreren Waldgenerationen werden in Gebieten, in denen der Wald überhaupt nicht mehr genutzt wird, wie z.B. im Nationalpark Bayerischer Wald, urwaldähnliche Formen entstehen; ursprüngliche Urwälder können nicht mehr entstehen, da der menschliche Einfluss, beispielsweise auch durch Klimaveränderung und Immissionen allgegenwärtig ist.

Der heutige Wald, auch als Forst bezeichnet, wurde zumeist vom Menschen gepflanzt oder gesät.
Er besteht in vielen Gegenden aus ehemals dichtgepflanzten Nadelbaumbeständen. Solche Wälder lassen häufig wenig Licht auf den Boden. Eine Krautschicht ist daher nicht oder nur gering vorhanden, das Tierleben sehr arm.

Kiefernwälder stocken überwiegend auf ärmeren Standorten, wie z.B. auf Sandböden in Nordwest- und Nordostdeutschland, im Pfälzerwald und in Nordostbayern. Die Kiefer wurde - wie die Fichte - seit Beginn des 19. Jahrhunderts durch künstliche Begründung weit verbreitet, da die ursprünglichen Laubmischwälder entweder gerodet oder stark übernutzt waren. Die abfallenden Nadeln der Kiefer und Fichten zersetzen sich nur langsam und führen oft zu mächtigen (sauren) Rohhumusdecken.

Eine stabile Waldform ist ein stufig aufgebauter Mischwald aus standortsgerechten Baumarten. Die in Süddeutschland vorkommenden Bergmischwälder beispielsweise setzen sich überwiegend aus Fichte, Weißtanne, Rotbuche und Berg-Ahorn zusammen.

Von Natur aus wären Buchenmischwälder bei uns am weitesten verbreitet. Sie wachsen in ihrer ursprünglichen Form auf großer Fläche im mittleren Bergland (z.B. Spessart, Steigerwald, Rhön, Vogelsberg, Thüringer Wald, Rheinisches Schiefergebirge), aber auch im Flachland (Holstein, Mecklenburg). Auf Böden, die der Buche qualitativ nicht ausreichen, finden wir unter natürlichen Verhältnissen vor allem Birken- und Eichenwälder. Besonders wertvolle Eichen wachsen im Pfälzerwald und im Spessart.

An Flüssen und Bächen entlang ziehen sich die Restbestände der Auewälder. Die Weichholzaue, die jährlich von Hochwassern überschwemmt wird, besteht aus Weidengebüschen, Schwarz-Pappeln oder Grau-Erlen. Flatter- und Feld-Ulme, Esche, Stiel-Eiche und Traubenkirsche besiedeln die höhergelegene Hartholzaue. Viele Tier- und Pflanzenarten finden hier ihren Lebensraum.

Durch die Fluss- und Bachbegradigungen, Besiedlung, Verkehrsflächen, Industrialisierung, intensive landwirtschaftliche Nutzung und Entwässerung sind fast alle Auewälder verschwunden.

• Was ist Ziel des Bundeswaldgesetzes?
Das Gesetz bezweckt die Erhaltung und Mehrung des Waldes, die nachhaltige Sicherung einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung und die Förderung der Forstwirtschaft. Ein Ausgleich zwischen dem Interesse der Allgemeinheit und den Belangen der Waldbesitzer soll herbeigeführt werden.

Es regelt auch den freien Zugang zum Wald, wonach das Betreten des Waldes zur Erholung und auf eigene Gefahr grundsätzlich gestattet ist (§14 Abs. 1). Die Landesforstgesetze regeln die Einzelheiten.

• Wie wird der Begriff Wald im Bundeswaldgesetz definiert?
Nach dem Bundeswaldgesetz (§2 Abs. 1) sind alle Grundflächen, die mit Forstpflanzen bestockt sind, Wald. Dazu gehören auch Kahlflächen, Leitungsschneisen, Waldwege und Wildäsungsflächen, Holzlagerplätze usw.. Nicht zum Wald gehören z.B. Baumschulen oder Parkanlagen.

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